Die europäische Runderneuerungsbranche sieht sich unter Druck: drei Viertel der Teilnehmer einer aktuellen internationalen Branchenumfrage bewerten die Lage der Runderneuerung als „kritisch“ oder „rückläufig“. Hauptursache ist aus Sicht der Befragten der zunehmende Preisdruck durch billige Neureifenimporte. Die Ergebnisse der Umfrage präsentiert die Allianz Zukunft Reifen (AZuR) am 10. Juni erstmals öffentlich auf der THE TIRE COLOGNE 2026. Sie finden den AZuR-Stand in Halle 7.1 / C031 B038.
Die Umfrage wurde im Frühjahr 2026 unter europäischen Unternehmen und Experten der Reifen- und Runderneuerungsbranche durchgeführt. Ziel war es, ein praxisnahes Stimmungsbild zur aktuellen Marktsituation, zu Erfolgsfaktoren und politischen Herausforderungen der Runderneuerung zu erhalten.
Branche zwischen Nachhaltigkeitspotenzial und Existenzdruck
Die Ergebnisse verdeutlichen die widersprüchliche Situation der Branche: Einerseits gilt die Runderneuerung als Schlüsseltechnologie der Circular Economy mit erheblichen Vorteilen für Klima- und Ressourcenschutz. Andererseits verschärfen Billigimporte, hohe Energiepreise und fehlende politische Rahmenbedingungen den wirtschaftlichen Druck auf viele Betriebe. Fast die Hälfte der Befragten beschreibt die aktuelle Situation der Runderneuerung als „stark unter Druck“. Nur optimistische Branchenvertreter sprechen von einem wachsenden Markt. Besonders skeptisch bewerten deutsche Marktteilnehmer die Entwicklung.
Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit bleiben zentrale Treiber
Trotz der schwierigen Marktlage sehen die Befragten weiterhin große Potenziale für die Runderneuerung. Als wichtigste Erfolgsfaktoren gelten die niedrigeren Gesamtkosten über den Lebenszyklus (TCO), hohe Karkassenqualität sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Flotten, Handel und Runderneuerern. Insbesondere moderne Service- und Cost-per-Kilometre-Modelle (CPK) werden als wichtige Zukunftsstrategie genannt. Mehrere Teilnehmer betonen, dass professionelle Reifen-Managementsysteme und transparente ESG-Dokumentationen entscheidend seien, um die wirtschaftlichen und ökologischen Vorteile der Runderneuerung sichtbar zu machen.
Klare Forderung nach politischer Unterstützung
Besonders deutlich fällt der politische Appell der Branche aus: 88 Prozent der Teilnehmer sehen in Green Procurement und einer stärkeren öffentlichen Förderung den wichtigsten Hebel für die Zukunft der Runderneuerung in Europa. Gefordert werden unter anderem verbindliche Nachhaltigkeitskriterien in der öffentlichen Beschaffung, bessere regulatorische Rahmenbedingungen sowie eine Gleichstellung runderneuerter Reifen in europäischen ESG-/Taxonomie-Systemen. Als Vorbilder nennen die Teilnehmer unter anderem französische und skandinavische Modelle mit verpflichtenden Entsorgungsabgaben („Eco-Tax“) sowie nationale Kooperationen zur Förderung von Recycling und Kreislaufwirtschaft.
Ergebnisse als Grundlage für politische Diskussion auf der TTC
Die vollständigen Ergebnisse der Umfrage werden im Rahmen der AZuR-Veranstaltung „The Future is retreaded!“ am 10. Juni 2026 auf der THE TIRE COLOGNE vorgestellt und gemeinsam mit Vertretern aus Industrie, Handel und Politik diskutiert. Im Mittelpunkt stehen dabei konkrete Lösungsansätze, um die Zukunft der europäischen Runderneuerungsbranche zu sichern, die Reifen-Kreislaufwirtschaft zu stärken und nachhaltige Mobilität wirtschaftlich attraktiv zu gestalten.
