
Wie können Reifen länger sicher genutzt werden, bevor Recycling überhaupt notwendig wird? Mit der neu gegründeten Projektgruppe „Reduce & Reuse“ rückt AZuR die obersten Stufen der Ressourcenhierarchie stärker in den Fokus. Gemeinsam wollen die Netzwerkpartner konkrete Ansätze entwickeln, die Lebensdauer von Reifen zu verlängern, vermeidbaren Reifenverbrauch zu reduzieren und Wiederverwendung zu fördern.
Im neuen Leitbild von AZuR bildet Reduce & Reuse eine der fünf inhaltlichen Säulen des Netzwerks. Dahinter steht ein grundlegender Perspektivwechsel: Nicht erst fragen, wie Altreifen möglichst hochwertig verwertet werden können, sondern bereits früher ansetzen – und dafür sorgen, dass Reifen möglichst lange im Einsatz bleiben. Die neue Projektgruppe ergänzt damit die AZuR-Aktivitäten in den Bereichen Runderneuerung, mechanische Verwertung, chemische Verwertung und Wissenschaft.
Der beste Altreifen ist der, der noch keiner ist
Die Ressourcenhierarchie gibt die Richtung vor: Vermeidung und längere Nutzung stehen vor Runderneuerung und Nachschneiden, mechanischer und chemischer Verwertung sowie energetischer Nutzung. Die Projektgruppe untersucht deshalb, an welchen Stellen des Reifenlebenszyklus besonders große Potenziale für Reduce und Reuse bestehen.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Nutzungsphase. Fahrweise, Achsgeometrie, Reifendruck und Beladung sowie regelmäßige Kontrolle und rechtzeitige Reparaturen können dazu beitragen, Reifen länger zu nutzen. Auch die Kaufentscheidung sowie die Frage, ob ein Reifen am Ende seiner ersten Nutzungsphase wiederverwendet oder runderneuert werden kann, gehören zum Gesamtbild. Die Arbeitsgruppe will insbesondere dort ansetzen, wo sich durch Information, Kommunikation und konkrete Maßnahmen Verhalten verändern lässt.
Von der Idee zur gemeinsamen Umsetzung
Beim Auftakt der Projektgruppe „Reduce & Reuse“ ging es bewusst zunächst um einen offenen Brainstorming-Prozess – nicht um bereits festgelegte Lösungen. Diskutiert wurden unterschiedliche mögliche Ansätze: von einem gemeinsamen „Tyre Pressure Day“ über eine stärkere „Repair first“-Kommunikation und kurze digitale Lernformate zur Reifenpflege bis hin zu Aktionen für Flotten und Impulsen zur Wiederverwendung gebrauchter Reifen.
Ein möglicher Ansatz ist beispielsweise ein gemeinsamer Aktionstag zum Reifendruck. AZuR-Partner könnten dabei zeitgleich über die Bedeutung des richtigen Reifendrucks informieren und praktische Checks anbieten. Durch ein gemeinsames Konzept, Kommunikationsmaterialien und dezentrale Aktionen ließe sich eine Reichweite erzielen, die einzelne Akteure allein kaum erreichen können. Auch dieser Ansatz befindet sich derzeit noch in der Ideenphase.
Kreislaufwirtschaft beginnt vor dem Recycling
Mit der Projektgruppe setzt AZuR einen zentralen Gedanken seines neuen Leitbilds praktisch um: Kreislauf statt Einweg. Reduce und Reuse stehen am Anfang eines möglichst geschlossenen Reifenkreislaufs. Erst wenn eine weitere Nutzung nicht mehr sinnvoll möglich ist, kommen die nachfolgenden Wege der Kreislaufwirtschaft zum Tragen.
Die Projektgruppe soll nun gemeinsam herausarbeiten, welche Verhaltensänderungen die Reifenlebensdauer besonders wirksam verlängern, welche Kommunikations- und Bildungsmaßnahmen dafür geeignet sind, welche Akteure eingebunden werden müssen und welche Aktivitäten AZuR als branchenübergreifendes Netzwerk besonders wirkungsvoll koordinieren kann.
Das Ziel: Reifen länger nutzen, Ressourcenverbrauch und Abfall vermeiden und damit den Reifenkreislauf bereits dort stärken, wo Altreifen noch gar nicht entstanden sind.